Kurzantwort: Social Media scheitert in kleinen Betrieben fast nie an Ideen, sondern an Regelmäßigkeit. Ein tragfähiger Plan besteht aus drei bis vier festen Formaten, einem Vorrat von zwei Wochen und einer klaren Trennung: KI macht Entwürfe und Varianten, ein Mensch entscheidet über Fakten, Bilder von Personen und alles, was nach außen eine Zusage ist.
Das eigentliche Problem ist die Taktung
Die meisten Unternehmenskanäle sehen gleich aus: drei Wochen aktiv, zwei Monate Stille, dann ein Beitrag mit Entschuldigung. Nicht weil die Ideen fehlen — sondern weil jeder Beitrag von vorn beginnt: Thema suchen, Text schreiben, Bild finden, Zeitpunkt wählen.
Ein Redaktionsplan ist die Antwort darauf, aber nicht in der Form, die man aus Agenturen kennt (drei Monate durchgeplant, nach zwei Wochen veraltet). Für kleine Teams trägt das Gegenteil: wenige feste Formate, die sich wiederholen, und ein Vorrat, der zwei Wochen weit reicht.
Der Vorteil fester Formate liegt nicht in der Ästhetik, sondern im Aufwand: Wer weiß, dass dienstags ein Praxisfall kommt, muss nicht überlegen, was er postet — nur noch, welcher Fall.
Drei bis vier Formate reichen
Nehmen Sie, was in Ihrem Betrieb ohnehin anfällt. Bewährt haben sich:
- Der Praxisfall. Eine Aufgabe, die Sie diese Woche gelöst haben, in drei Sätzen: Ausgangslage, Weg, Ergebnis. Keine Namen ohne Einwilligung.
- Die Einordnung. Eine Neuerung in Ihrer Branche, erklärt für Laien — mit Ihrer Einschätzung, was sie praktisch bedeutet.
- Der Blick hinter die Kulissen. Werkzeug, Ablauf, Arbeitsplatz. Das läuft in fast jeder Branche und kostet am wenigsten Vorbereitung.
- Der Hinweis auf eigene Inhalte. Ein Beitrag aus dem Blog, zugespitzt auf die eine Frage, die er beantwortet — nicht die Überschrift kopiert.
Vier Formate, ein bis zwei Beiträge pro Woche: Das ist eine Taktung, die auch in einer vollen Woche noch funktioniert. Mehr ist schön, aber nicht die Stelle, an der es hakt.
Was KI übernimmt — und was nicht
Gute Rollen für KI
- Aus vorhandenem Material Entwürfe machen: aus einem Blogbeitrag, einem Angebot oder Ihren Stichpunkten drei Fassungen in unterschiedlicher Länge.
- Varianten für Kanäle: derselbe Kern, einmal sachlich, einmal knapper, einmal mit Frage am Ende.
- Vorschläge für Bildunterschriften und Alternativtexte — letztere sind Barrierefreiheit, keine Kür.
- Der Terminplan: aus einer Liste von Themen einen Wochenplan bauen, inklusive Wiedervorlage.
Schlechte Rollen für KI
- Zahlen und Fakten erfinden lassen. Modelle liefern plausible Zahlen ohne Quelle. Jede Zahl, die nach außen geht, muss aus Ihrem Betrieb oder einer benannten Quelle stammen.
- Kundenfälle ausschmücken. Ein „typischer Fall", der so nie passiert ist, ist eine Erfindung — auch wenn er plausibel klingt.
- Bilder von Menschen, die es nicht gibt, als echte Mitarbeiter oder Kunden ausgeben. KI-Bilder sind in Ordnung, wenn sie als Illustration erkennbar sind und niemanden vortäuschen.
- Kommentare automatisch beantworten. Genau dort entscheidet sich, ob jemand Kunde wird.
Ein Arbeitsablauf, der hält
Der Plan steht und fällt mit einem festen Termin, nicht mit Werkzeugen. Was sich bewährt hat:
- Einmal pro Woche 45 Minuten — fest im Kalender, mit Namen dran. Themen sammeln, Entwürfe erzeugen lassen, prüfen, freigeben.
- Vorrat statt Tagesgeschäft: immer zwei Wochen im Voraus fertig. Fällt eine Woche aus, merkt es niemand.
- Ein Ort für Entwürfe, in dem auch die Prüfung sichtbar ist: Wer hat die Zahlen geprüft, wer gibt frei.
- Eine Prüfliste vor dem Veröffentlichen: Stimmen Zahlen und Namen? Liegt für Fotos eine Einwilligung vor? Ist das Bild gekennzeichnet, falls es KI-erzeugt ist? Steht im Text keine Zusage, die wir nicht halten können?
Die Prüfliste ist der Teil, den man weglässt — und dann kommt der Beitrag mit der falschen Zahl. Sie kostet zwei Minuten je Beitrag.
Woran Sie merken, ob es wirkt
Reichweite ist die Zahl, die am meisten schwankt und am wenigsten sagt. Aussagekräftiger sind:
- Regelmäßigkeit: Wie viele der geplanten Beiträge sind tatsächlich erschienen? Unter 80 Prozent stimmt die Taktung nicht, nicht der Inhalt.
- Anfragen mit Bezug: Wie viele Anfragen erwähnen etwas, das Sie dort gezeigt haben? Eine Frage im Erstgespräch genügt zum Messen.
- Aufwand je Beitrag: Stoppen Sie den einmal, vorher und nach drei Monaten. Wenn er nicht sinkt, hilft die KI nicht — dann ist der Plan das Problem.
Wie Social Media in ein Marketing einzahlt, das auf Anfragen zielt, steht unter KI im Marketing. Wenn bezahlte Reichweite dazukommt, lesen Sie vorher ChatGPT-Werbung — dieselbe Frage, anderer Kanal.
Häufige Fragen
Müssen wir KI-erzeugte Beiträge kennzeichnen?
Für Texte gibt es keine allgemeine Kennzeichnungspflicht, solange sie inhaltlich stimmen und niemand getäuscht wird. Bei Bildern und Videos, die echt wirken sollen, sieht es anders aus — dort greift die Transparenzpflicht der KI-Verordnung. Was wann gilt, steht ausführlich unter KI-Inhalte kennzeichnen.
Wie viele Kanäle sind sinnvoll?
Einer, den Sie durchhalten, schlägt drei, die einschlafen. Nehmen Sie den, auf dem Ihre Kunden ohnehin sind — im B2B meist LinkedIn, im lokalen Handwerk eher Instagram oder Facebook. Ein zweiter kommt erst dazu, wenn der erste seit einem halben Jahr verlässlich läuft.
Kann KI den ganzen Kanal übernehmen?
Technisch ließe sich das bauen, und man sieht es dem Ergebnis an. Was Leser interessiert, ist genau das, was ein Modell nicht hat: Ihre Fälle, Ihre Einschätzung, Ihre Fehler. KI nimmt das Formulieren ab, nicht das Erlebte.
Was ist mit Fotos von Mitarbeitern und Kunden?
Dafür brauchen Sie eine Einwilligung, freiwillig und widerrufbar, am besten schriftlich. Das gilt auch für Bilder aus dem Betriebsalltag, auf denen Personen erkennbar sind. Einfacher ist es, Fotos so zu wählen, dass niemand erkennbar ist — oder ausdrücklich gekennzeichnete Illustrationen zu verwenden.



